Kosmos Theater

Eine andere Kulturpolitik ist nötig!


Stadt Wien kürzt KosmosTheater schriftlich zugesagte Förderung um 60.000 Euro!

Nur sechs Wochen vor dem Jahreswechsel und ohne Begründung kürzt die Stadt Wien das Fördervolumen des Theaters für 2015 und 2016 um je 30.000 Euro. Ebenso unvermutet wie unbegründet wird die Zusage zu einem 3-Jahresvertrag zurückgenommen und auf zwei Jahre verkürzt.

Die Nichteinhaltung schriftlich zugesagter Förderungen ist ein krasser Tabubruch!

Schon seit einigen Jahren wird das – auch nach oftmals öffentlich kundgetaner Meinung des Kulturstadtrats – künstlerisch erfolgreiche und genderpolitisch wichtige KosmosTheater schikaniert wie kaum eine andere Bühne. Abgesehen von der ohnehin chronischen Unterdotierung wurden Förderzusagen verschleppt und seit 2013 nur mehr halbjährlich gewährt – eine Verhinderung jeglicher seriösen Planung! Ebenfalls 2013 kürzte die Stadt 50.000 Euro im Budget des laufenden Jahres (!). Heftige Proteste der Öffentlichkeit konnten dies schlussendlich verhindern.

Theater braucht Planungssicherheit! Ohne Planungssicherheit ist jede geförderte Institution zum Scheitern verurteilt. Und - die bis dahin seitens der öffentlichen Hand gemachten Investitionen aus Steuergeldern hätten Ihren Zweck verfehlt.

Statt als unterstützende Servicestelle Kunst und SteuerzahlerInnen zu dienen, sät Wien Kultur auf diese Weise Misstrauen, gefährdet Arbeitsplätze und diskriminiert eine seit 15 Jahren bestehende Wiener Institution!

Sehr geehrtes Publikum, liebe UnterstützerInnen und Kulturinteressierte, indirekt sind auch Sie betroffen.Wir hoffen daher auf Ihre Unterstützung!

Bitte überzeugen Sie Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny von der Wichtigkeit unserer Arbeit und von der Notwendigkeit eines fairen, gleichberechtigten Umgangs. Zwei, drei kurze Sätze an mailath@wien.gv.at genügen (hoffentlich).

Mit der Bitte um Weiterleitung und Kopie an office@kosmostheater.at.

Mit besten Grüßen
Barbara Klein und das KosmosTeam

UPDATE

Replik des KosmosTheaters auf u.a. Informationen des Kulturstadtrats

1. 2009-2013 betrug die Förderung gleichbleibend 585.000 Euro pro Jahr. 600.000 Euro für 2014, ergibt eine Steigerung von 2,5 Prozent.
2. 630.000 Euro waren schriftlich zugesagt, die nun mehr bewilligten 600.000 Euro stellen eine Kürzung von 5 Prozent dar.
3. Der Kulturstadtrat persönlich wünschte eine eingeschränkte Wirtschaftsprüfung. Die bereits auf die Kunsthalle Wien angewandte, extrem aufwändige Methodik der Prüfung hielt er für den Betreiberverein des KosmosTheaters für „übertrieben“. Alle entsprechenden Unterlagen wurden von Seiten des Vereins übermittelt. Die Verhandlungen setzte der Verein aus, weil der mehrjährige Förderantrag abgelehnt worden war.
4. 2015 wird in Wien gewählt.
Zum Nachsatz: Die Stadt Wien beabsichtigt, aus dem KosmosTheater einen Proberaum zu machen. (Empfehlung der Wiener Theaterjury)

Mit besten Grüßen

Barbara Klein & KosmosTeam



Antwort von Kulturstadtrat Dr. Mailath-Pokorny auf Unterstützungsemails für das KosmosTheater

Ich bedanke mich für Ihr engagiertes Interesse am KosmosTheater und füge dem noch einige, wie mir scheint, wichtige Informationen hinzu:
1. Von einer Kürzung der Subventionen des KosmosTheaters kann keine Rede sein. Seit 2008 wurde die Förderung des Theaters um mehr als EUR 100.000, also um beinahe 25 Prozent, erhöht. Es gibt kaum eine andere Kultureinrichtung in Wien, deren Förderung in diesem Zeitraum in einem ähnlichen Ausmaß erhöht wurde.
Für die kommenden zwei Jahre ist dem KosmosTheater eine Förderung von je EUR 600.000 zugesichert.
2. Trotz eines sehr engen Gesamtbudgetrahmens konnte das Niveau der Förderungen 2014 auch für die Jahre 2015 und 2016 sichergestellt werden. Kürzungen gibt es keine.
3. Eine Dreijahresförderung des KosmosTheaters war stets für die Jahre 2014 bis 2016 angedacht und überdies mit der Neuausschreibung der Leitung und Kommunalisierung des Hauses ab 2017 verknüpft. Die für diesen Schritt unerlässliche Wirtschaftsprüfung der Kosmos GmbH (Mieterin der Immobilie) und des Vereins *link (Betreiberin des Theaters) konnte nicht durchgeführt werden, weil nicht alle erforderlichen Unterlagen übermittelt wurden. Überdies setzte Frau Mag. Barbara Klein (Eigentümerin der GmbH und Geschäftsführerin des Vereins) mit Sommer 2014 die Verhandlungen über eine Übernahme des Hauses aus.
4. Dennoch wurde seitens des Gemeinderates der Stadt Wien eine weitere Förderung des Hauses in derselben Höhe wie 2014 auch für die Jahre 2015 und 2016 beschlossen, um den Theaterbetrieb nachhaltig zu sichern.
5. Das Theater kann also mit der Förderung auf Basis des Jahres 2014 und einer 2-Jahresabsicherung den Betrieb fortführen.
Die Stadt Wien bekennt sich ausdrücklich zur Förderung des KosmosTheaters als Theater mit genderspezifischem Schwerpunkt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Andreas Mailath-Pokorny
amtsf. Stadtrat für Kultur und
Wissenschaft in Wien

Im Detail

Nach vier Jahren ohne Inflationsabgeltung wurde die jährliche Förderung im Jahr 2014 um 2,5 Prozent angehoben, eine Anpassung um weitere 5 Prozent für 2015 und 2016 angekündigt und mittlerweile in drei verschiedenen Schreiben der Kulturabteilung zugesagt.

Völlig unerwartet erhielten die Betreiberinnen des KosmosTheaters Mitte November die schriftliche Zusage über nur 600.000 Euro statt der vereinbarten 630.000 Euro pro Jahr. Auf Nachfragen wurde auf den Gemeinderat verwiesen, der die Kürzung beschlossen hätte. Eine Unwahrheit, wie sich rasch herausstellte: Ein Antrag auf die bereits zuvor von der MA7 – Wien Kultur reduzierte Summe war dem Kulturausschuss des Gemeinderats zur Abstimmung vorgelegt worden, über einen anderen hätte er gar nicht abstimmen können. Ebenso wurde mit dem im Vorfeld vereinbarten 3-Jahresvertrag verfahren: Der dem Gemeinderat vorgelegte Antrag hatte eine Laufzeit von nur zwei Jahren. Dazu schweigt die Stadt Wien lauthals.

Für manche andere, gut dotierte Theater bedeutet eine Fehlsumme von gesamt 60.000 Euro gerade mal Portokassa, für das KosmosTheater stellt sie ein Fünftel des künstlerischen Budgets dar!
Mit einer derartigen Vorgangsweise wird eine Verschuldung unseres Hauses nicht nur in Kauf genommen, sondern mutwillig provoziert: Das Budget eines Theaters für das Folgejahr ist kurz vor dem Jahreswechsel selbstverständlich längst verplant, Produktionen sind fixiert, KünstlerInnen engagiert. Rechtliche, soziale und kulturpolitisch bedenkliche Folgen stehen zu befürchten!

Bezeichnend auch für die offensichtlich widersprüchliche Einschätzung des KosmosTheater von Seiten der Stadt und des Bundes: Während der Bund der Intendantin des KosmosTheater Barbara Klein für ihr genderpolitisches Wirken in Kunst und Kultur soeben das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen hat, sind aus der Stadt bloß Lippenbekenntnisse zum Thema zu hören. Mailath-Pokorny in seinem Gratulationsschreiben: „Ich freue mich, dass Ihre Leistungen damit öffentlich gewürdigt werden, so wie Ihr Publikum es am Theater macht.“ Tatsächlich jedoch stehen der auch international geschätzten Arbeit des KosmosTheater seit Jahren anhaltende hartnäckige Behinderungen von Seiten der Stadt Wien entgegen.